Der Besuch der alten Dame

Obwohl schon in den fünfziger Jahren verfasst, könnte „Der Besuch der alten Dame“ kaum aktueller und brisanter sein. Die Kluft zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander, die Ungerechtigkeit, die sich aus dieser Verteilung ergibt, ist lange nicht mehr bloß finanzieller Natur. Auf dem Pausenhof werden Schüler ohne teure Mobiltelefone und Markenkleidung gehänselt, zum Gymnasium oder gar der Universität schaffen es Kinder aus finanziell benachteiligten Familien oft gar nicht erst. In England schleppten in den letzten Wochen randalierende Jugendliche Fernsehgeräte und Spielkonsolen aus Elektronikläden – Konsumrausch, der jedes Mittel billigt. Wie sicher Dürrenmatts tragische Komödie den Zahn der Zeit trifft, zeigte der überwältigende Erfolg unserer Inszenierung. Vier Mal gelang es uns, die Dillenburger Stadthalle im November 2011 zu füllen.

 

Inhalt.

Gemeinsam mit den Dellerleckern begeben sich die Zuschauer auf eine Reise in die fiktive Stadt Güllen, die – einst eine blühende Kulturstadt – inzwischen zum heruntergekommenen Schatten ihrer selbst verlottert ist.  Die Wirtschaft ist welk, die Bewohner ohne Arbeit und Perspektiven. Da regt sich ein Hoffnungsschimmer am düsteren Horizont  der Güllener: Die betagte Multimilliardärin Claire Zachanassian (Rita Sucharda-Sydor), selbst ein Kind Güllens, will ihrem Heimatstädtchen einen Besuch abstatten. Gebangt erwartet die Stadt das Eintreffen der vermögenden Dame und die finanzielle Zuwendung, die man sich von diesem verspricht. Dass die schrille Diva Zachanassian mit ihrem bizarren Gefolge ihrem Geburtsort aber gleich mit 2 Milliarden unter die Arme greifen möchte, hätte kei

ner der desillusionierten Güllener in seinen kühnsten Träumen zu hoffen gewagt – eine Milliarde soll an die Stadt gehen, eine weitere auf alle Bürger verteilt werden. Zum Schrecken dieser aber knüpft die Milliardärin ihr Angebot  an eine grausige Bedingung: Der Geldsegen erfolgt nur dann, wenn jemand Alfred Ill (Christian Osterburg), seines Zeichens Krämer, Anwärter auf das Bürgermeisteramt und der beliebteste Bürger der Stadt, tötet. Dieser hatte Claire Zachanassian in ihrer Jugend geschwängert, dies aber vor Gericht abgestritten, so dass die Dame ihre Heimat geächtet, hochschwanger und allein verlassen musste. Der über Jahre gereifte Racheplan der Heimgekehrten scheint zunächst an der Integrität der Güllener zu scheitern. Im Namen der Stadt lehnt die Bürgermeisterin (Martina Klein) das Angebot entrüstet und stolz ab, verweist darauf, lieber arm zu bleiben als blutbefleckt. Die Aussicht auf Wohlstand jedoch erweist sich als stärker als die Humanität der Güllener, fangen diese doch bald an, auf Pump Anschaffungen zu tätigen, die einen anstehenden Geldsegen vermuten lassen.

 

Ensemble und Team:

Regie                                                 Pierre Stoltenfeldt, Christiane Keller

Regie-Assistenz                                 Bärbel Günther

Souffleuse                                         Bärbel Günther

Kostüme                                            Rita Sydor, Bärbel Günther

Makeup                                              Bettina Hart und Team

Frisuren                                              Jens Döring und Team

Technik                                              it eventsolutions Idelberger und Thieme GbR,
Wolfgang Koban

Bühnenbild                                         Monika Volhejn, Pierre Stoltenfeldt

Bühnenbau                                         Monika Volhejn, Christin Weyershausen,
Katharina Olbrich, Norbert Seibt, Philipp
Amauri-Reeh, Sebastian Seibert, Manuel
Haertlé, Matthias Wege, Simon Lindner

Zugführer                                           Klaus Mittendorf

Radioreporterin                                  Sylvia Heinz

Pressemann I                                    Johannes Weiss

Pressemann II                                      Armin Nickel

Kabelträger                                        Florian Ax

Maskenbildner                                   Biniam Tessema, Franziska Klein

Pfändungsbeamter                            Armin Nickel

Bahnhofsvorstand                             Jens Rüchlick

Sigrist                                                 Jens Rüchlick

Kameramann                                     Jens Rüchlick

Der Turner                                         Mario Leitloff

Chor                                                   Klaus Mittendorf, Johannes Weiss, Mario
Leitloff, Biniam Tessema, Florian Ax, Sylvia
Heinz, Natalie Schneider, Franziska Klein